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campusLEBEN Featured Ganz vorn — 20 April 2012

Die Informationslage bei der Bewerbung für ein Bachelorstudium sah noch ganz anders aus: Es gab fast deutschlandweit einheitliche Bewerbungsfristen für die staatlichen Universitäten, hunderte Beratungsbücher und Hefte, die nicht nur bei der Wahl des richtigen Studiums halfen, sondern auch noch Tipps dazu gaben, wie und wo man am besten wohnt und neben dem Studium jobbt. Doch nun geht es von vorne los und der Aufwand für eine Masterbewerbung ist nicht gerade gering. Von Laura Krause

,,Abweichende Termine‘‘ heißt es bei der Suche nach den Bewerbungsfristen auf der Homepage der Europa-Universität Viadrina. Und Hinweise wie ,,Achtung! Bei den genannten Fristen handelt es sich um eine Ausschlussfrist! Unterlagen, die nach Ablauf der Frist eingehen werden nicht berücksichtigt!‘‘ lassen den Ernst der Lage erkennen. Die Einfachheit des Bachelors ist vorbei und nur wer hartnäckig ist und sich früh genug informiert, hat die Chance auf einen der begehrten Masterplätze. Eine andere Art des Survival of the Fittest. Wie ihr euch besser im Masterchaos zu Recht findet und euch über Fristen und Formalien fit macht, erfahrt ihr hier!

1. Schritt: Auswahl des Studiengangs
Die Auswahl ist groß und muss von jeder oder jedem Studierenden ganz individuell und nach persönlichen Interessen getroffen werden. Die wohl interessanteste Neuerung des Bachelor-Master-Systems ist die Auswahl zwischen I) konsekutiven Mastern, die dem Bachelorstudienfach so ähnlich wie möglich sein sollen. II) Nicht-konsekutive Master hingegen bieten eine Möglichkeit zur Neuorientierung nach dem Bachelorstudium, das inhaltlich nicht zum Master passen muss. Außerdem gibt es die Option, zwischen Bachelor und Master eine Zeit lang berufliche Erfahrungen zu sammeln und danach einen sogenannten III) weiterbildenden Master zu beginnen, der meist eine Berufstätigkeit von mindestens einem Jahr voraussetzt. Die Freie Universität Berlin bietet hier z.B. einen Master in Gender- und Diversity-Kompetenz oder in Angewandter Literaturwissenschaft an, der explizit auf die Arbeit im Verlagswesen vorbereiten soll. Bei den Lehrämtler_innen ist die Studienrichtung schon genau vorgegeben, denn die Masterstudiengänge setzen die Fächerkombination des Bachelors fort. Die Universitäten bieten für jeden lehramtsbezogenen Bachelorstudiengang einen aufbauenden Master an derselben Uni an.

2.Schritt: Die Bewerbungs-Ausschluss-Frist
Die Auflistung der Bewerbungsfristen für alle Masterstudiengänge der staatlichen Universitäten in Berlin und Brandenburg wäre wahrscheinlich eine Arbeit von Wochen. Die folgenden Beispiele sollen euch jedoch einen Überblick verschaffen. Allgemein gilt: Es gibt keine einheitlichen Bewerbungsfristen! Und vor der Bewerbung sollte man sich für jedes Fach individuell erkundigen, auch wenn z.B. die Humboldt-Universität eine allgemeine Frist auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. Tendenzen lassen sich trotz der vielen Unterschiede erkennen:

  • Freie Universität Berlin (FU): Hier variiert das Ende der Bewerbungsfrist für das WS 2012/13 u.a. zwischen dem 30.06.2012 (weiterbildende Master) und dem 31.05. (zulassungsbeschränkte Master)
  • Humboldt-Universität zu Berlin (HU): WS 2012/13: 01.06. – 15.07.2012; SS 2013: 01.12. – 15.01.2013
  • Universität der Künste Berlin (UdK): Hier enden die Bewerbungsfristen aufgrund der besonderen Anforderungen oft früher als bei anderen Unis. Beispiele für das WS 2012/13: Architektur: 15.05.-31.05.2012; Bildende Kunst: 15.03-31.03.2012; Design: 15.03.-14.04.2012
  • Technische Universität Berlin (TU): SS 2012: bis zum 16.01.2012 (zulassungsbeschränkte Master) und bis zum 02.04.2012 (zulassungsfreie Master); WS 2012/13: bis zum 15.07.2012 (zulassungsbeschränkte Master) und bis zum 01.10.2012 (zulassungsfreie Master)
  • Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU): WS 2012/13: 16.05.-15.07.2012 (zulassungsfreie Master) und bis zum 30.08.2012 (weiterbildende Master)
  • Universität Potsdam (UP): WS 2012/13: bis zum 01.06.2012; SS 2013: bis zum 15.01.2013 (Hier wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Uni plant, die Fristen abzuändern.)

3. Schritt: Bewerbungsunterlagen zusammensuchen
Auch hier überrascht es nicht, dass die Anforderungen von Universität zu Universität variieren. Doch anders als die spezifischen Eignungsprüfungen für Sporthochschulen, Musik oder Schauspielkunst werden einige Wegbegleiter auf uns alle zukommen:

  • Die Online-Bewerbung: Die meisten Universitäten haben auch für die Masterbewerbungen Online-Formulare, bei denen die fehlenden Unterlagen noch ergänzt werden müssen. Das jeweilige Onlineportal ist je nach Bewerbungsfrist geöffnet (Lehramt ist hier oft ausgenommen).
  • Ausnahmen bilden außerdem Masterstudiengänge, die gemeinsam mit anderen Hochschulen angeboten werden sowie weiterbildende Master, für die man sich oft direkt beim Fach bewirbt.
  • Der tabellarische Lebenslauf ist bei jeder Bewerbung obligatorisch.
  • Eventuell beizulegen ist eine Kopie der Exmatrikulationsbescheinigung (je nach Universität).
  • Die amtlich beglaubigte Kopie des Hochschulabschlusses bzw. eine vorläufige Bescheinigung des Prüfungsamtes über den bevorstehenden Abschluss sind immer notwendig.
  •  Bei weiterbildenden Masterstudiengängen muss man einen Nachweis über eine (meist einjährige) berufliche Tätigkeit erbringen.
  • Ein meist ein- bis dreiseitiges Motivationsschreiben, auf das manche Universitäten besonders viel Wert legen und es höher in der Gesamtbewertung des Bewerbers/ der Bewerberin gewichten als andere, ist wie der Lebenslauf Grundbestandteil.
  •  Der Bewerbung beizulegen ist außerdem eine Liste der belegten Lehrveranstaltungen mit Semesterwochenstundenumfang und Leistungspunkten sowie der Leistungsbewertung (auch Transcript of Records genannt).
  •  Ggf. ist eine amtlich beglaubigte Kopie der Sprachnachweise notwendig. Meist wird z.B. ein Englischniveau C1 erwartet, was u.a. dem abgeschlossenen UNIcert III-Kurs entspricht oder über den TOEFL-Test sowie das CAE (Cambridge ,,Certificate in Advanced English‘‘) nachgewiesen werden kann. Hier gilt es, sich sehr rechtzeitig zu informieren, was die einzelnen Universitäten verlangen, um noch genug Zeit zu haben, um beispielsweise einen mehrsemestrigen UNIcert-Kurs oder einen Intensivkurs in den Semesterferien zu machen, denn ein zweiwöchiger Vorbereitungskurs für den TOEFL-Test kann bis zu 420 Euro zusätzlich der Kosten für den eigentlichen Test betragen.
  • Für manche Studienrichtungen wie z.B. den Master Betriebswirtschaftslehre muss zusätzlich zu den anderen Unterlagen eine Kopie der Abschlussarbeit des vorausgehenden Studiums eingereicht werden, aber auch dies muss individuell recherchiert werden.

4. Schritt: Abwarten und Alternativen in Betracht ziehen
Wenn einmal alle Bewerbungsunterlagen abgeschickt sind und wieder Zeit zum Durchatmen bleibt, ist zu überlegen, was passiert, wenn man seinen Wunschstudienplatz nicht erhält. Alternativen können ein mehrmonatiges Praktikum sein, einem lebenslauferweiternden Job nachzugehen oder sich vielleicht für eine Tätigkeit im Ausland zu bewerben. All dies kann nützlich sein, um weitere Kompetenzen zu erwerben, die bei der nächsten Bewerbungsrunde attraktiver machen und ganz im Sinne des Survival of the Fittest im Konkurrenzkampf stärken. Vielleicht kann diese Zeit aber auch hilfreich sein, um in sich zu gehen, sich von praktischen Erfahrungen oder interessanten Tätigkeiten inspirieren zu lassen und schließlich doch nicht dem traditionellen Weg des konsekutiven Masters zu folgen und so sein ganz persönliches Ziel anzuvisieren und zu erreichen.

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