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„Berlin ist als Megafon nicht mehr zu überhören“, Sabine Nedelchev, Chefredakteurin der Elle, über die aktuelle Rolle Berlins als Modemetropole und Schauplatz der Mercedes Benz Fashion Week. Vom 17. Bis 22. Januar 2012 zieht die Mercedes Benz Fashion Week wieder zahlreiche Gäste aus der Modeszene an. Doch was ist das Besondere der Berliner Modewoche und wie kann man als modeinteressierte Studentin oder Student an der Fashion Week 2012 teilhaben? Von Laura Krause.

Von der einst international anerkannten Modestadt der 1920er Jahre erfuhr Berlin mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Teilung in Ost und West nicht nur in modischer Hinsicht eine starke Niederlage. Mode wurde aufgrund des Materialmangels, aber auch durch die fehlende Anbindung an einstige Produktionsstätten zur Randkultur. Nur wenige Designer, wie Ulli Richter, konnten auch unter solch schwierigen Bedingungen in den 1980er Jahren weiter an ihren Entwürfen arbeiten und diese, wenn auch nur im westlichen Teil der Stadt, verkaufen.

Mit dem Fall der Berliner Mauer konnten sich die erhalten gebliebenen Strömungen erneut verbinden und Berlin erhielt ein neues modisches Gesicht. Wichtige Rolle dabei spielten nicht nur die Universität der Künste, sondern auch die Modeschulen ESMOD und die FHTW im Osten der Stadt, nur zwei der heutigen neun Schulen, die stets neue Designer hervorbringen. Die Berliner Mode wurde wieder individueller und Modeschöpfer wie Claudia Skoda, Lisa D., Kaviar Gauche, aber auch Reimer Claussen und Mercedes Engelhardt prägten die Szene. Innerhalb Berlins entstand ein neues modisches Zentrum, das sich von den Hackeschen Höfen, in Berlin-Mitte, über Prenzlauer Berg und Friedrichshain erstreckt.

Es sind vor allem die einstigen Erfolge der Goldenen 20er Jahre, die der Berliner Mode ihre Basis bereiteten und ohne die, die heutigen Erfolge wohl kaum erreicht hätten werden können. Aktuelle Modetrends zitieren jedoch nicht nur die Roaring Twenties, sondern weit mehr. Obwohl sich die Berliner Designer die Jugendlichkeit der 20er Jahre bis heute zu bewahren scheinen, gehen sie doch weit über die androgynen Einteiler hinaus. Es ist nicht die Haute Couture, die Paris und Mailand als Fashionmetropolen definieren, oder die avantgardistischen Entwürfe der Londoner Modewoche, sondern Ready to Wear Mode.

Zwei Entwürfe von Lena Hoschek auf der Mercedes Benz Fashion Week Berlin im Januar 2010. Fotos: Laura Krause

Es handelt sich um tragbare Mode für den Alltag und auf der Straße sowie jugendliche Labels, die Berlins besonderen Stil prägen und scheinbar für jedermann und jederfrau tragbar sind. Heute leben und arbeiten rund 800 Modedesigner in Berlin und entwickeln täglich den besonderen Stil der Hauptstadt weiter. Die seit 2007 jährlich stattfindende Mercedes Benz Fashion Week Berlin präsentiert, ganz anders als Paris oder Mailand, keine Haute Couture, sondern vor allem Ready to Wear Mode und feiert dabei keine internationalen Größen, wie Prada, Valentino, Versace oder Chanel, sondern oftmals lokale Designer und junge Talente, die meist noch keinen internationalen Ruhm erlangt haben. Der jugendliche, individuelle, fast schon anarchistische Stil der Designer, die ihre Kollektionen auf der stadteigenen Mercedes Benz Fashion Week präsentieren, prägen heute das Bild und heben Berlin deutlich von anderen Städten der Mode ab. Auch internationale Modeschöpfer wie Custo Barcelona oder Vivienne Westwood präsentierten ihre Entwürfe einige Male während der Berliner Modewoche, kehrten jedoch selten zurück. Dies ist vielleicht Ausdruck fehlender Internationalität, vielleicht aber auch Ausdruck des besonderen Stils, für den die Hauptstadt und ihre Modemacher stehen. Eine Mode, die eben doch nicht für jedermann oder jederfrau gemacht ist.

Ausdruck der typisch unkonventionellen Trends ist die erfolgreiche Modemesse Bread & Butter, die heute die internationalen Streetstyles zeigt und mit rund 600 Ausstellern aus Bereichen wie Denim, Function Wear und Street Fashion Treffpunkt hunderter Einkäufer und Modehändler ist. Vom 17. bis 22. Januar 2012 zieht die Berliner Fashion Week auf über 60 Events auch im neuen Jahr wieder zahlreiche Modeinteressierte an. Angekündigt haben sich wie in der vergangenen Saison Patrick Mohr, Lala Berlin, Schumacher, Dimitri, Mongrels in Common, Lena Hoschek und viele mehr. Als besonderes Highlight wird das deutsche Label Escada Sport erwartet. Das einstige am Bebelplatz errichtete Zelt der Mercedes Benz Fashion Week, steht seit dem letzten Jahr vor dem Brandenburger Tor.

Das ehemalige Fashionzelt auf dem Bebelplatz. Foto: Laura Krause.

Nicht weit davon befindet sich im Hotel Adlon der GREENshowroom, der auch für Besucher, die nicht zur Szene gehören, zugänglich ist. In Berlin entwickelte sich zudem ein weltweit noch relativ unberücksichtigtes Interesse für Ökomode heraus. Mit dem GREENshowroom entstand so die international erste „grüne“ Modemesse und verbindet modernes Design mit ethisch korrekt produzierter Eco-Mode. Ein wichtiger Teil des Lavera Showfloors sind somit die Schauen der Green Avantgarde. Der Showfloor im ehemaligen Kino KOSMOS wirbt damit, dass alle Events vom 18. bis 20. Januar „open for public“ sind und wer sich rechtzeitig um eine Karte kümmert, kann auch hier die „grünen“ Entwürfe der Herbst/Winter-Kollektion 2012/2013 bewundern. Im vergangenen Sommer präsentierte die BVG zum zweiten Mal in Folge die Fashion Station.

Auch die BVG war im Sommer 2011 im Fashion-Week-Fieber. Foto: Sebastian Schrader.

Es handelte sich um eine 100 Meter lange U-Bahn auf dem Bahnsteig der Linie U5 am Alexanderplatz, der für zwei Tage zum Catwalk und Ausstellungsort von 14 Berliner Designern, wie 24colours, espendrú, Karsten Fischer Berlin sowie dem Petticoatshop, wurde.

Das kostenfreie Event war für alle Modebegeisterten zugänglich und wird hoffentlich auch im kommenden Sommer erneut stattfinden. Ein weiterer für die Öffentlichkeit zugänglicher Teil der Berliner Modewoche sind die Showrooms der projektGALERIE. Dieses Projekt bietet seit dem Jahr 2006 eine Alternative zur offiziellen Fashion Week und lädt Designer ein, ihre Werke in Galerien in Berlin-Mitte auszustellen und so eine sich wechselseitig inspirierende Plattform für Mode und Kunst zu schaffen. In kleinen Galerien kann man hier das Wechselspiel zwischen Mode und Kunst bewundern oder an einer der Aftershowpartys teilnehmen. Neben der Modemesse PREMIUM, auf der rund 900 internationale Designer ihre Kollektionen ausstellen, bietet die ETHICAL FASHION SHOW BERLIN als eigenständige Fachmesse für nachhaltige und ethisch produzierte Streetfashion und Casualwear eine weitere Plattform des Austausches. Die Türen des messeeigene Shops „Changing Room“, der die ausgestellten Labels verkauft, sind nicht nur für Fachbesucher, sondern für alle Modeinteressierten geöffnet.

Der Catwalk der Fashion Station am Berliner Alexanderplatz. Foto: Sebastian Schrader.

Die deutsche Mode wird dank der Berliner Modewoche und ihrer Designer unüberhörbar wahrgenommen. Berlin hat im 21. Jahrhundert einen gewaltigen modischen Sprung getan. Die Entwicklung der Mode von der Subkultur, zu einem eigenständigen Bereich der Berliner Kultur- und Kunstszene gleicht einem lauten Staccato. Sabine Nedeljev beschreibt die Hauptstadt als „Megafon“, das nicht mehr zu überhören ist. Auch in Zukunft wird Berlin gerade durch innovative Projekte wie die der „grünen“ Mode in aller Munde und Ohren sein und durch ihr Potential vielleicht auch zunehmend mehr internationale Designer am modischen Wohlklang der Hauptstadt teilhaben lassen.

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