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campusKREATIV Featured Ganz vorn — 25 Januar 2018

Vorsätze werden kaum noch ernst genommen. (Foto: Matthew Henry)

Wie sieht’s aus? Noch an den Neujahrsvorsätzen dran? Ich treffe kaum noch jemanden, der feierlich von Vorsätzen spricht. Von Jasmin Rida.

Man kann ihn nur bemitleiden, denn niemand nimmt ihn mehr ernst. In der Tat ist es oft der gute Vorsatz, der am Silvesterabend noch laut hinausposaunt wird und ein paar Wochen später schon wieder in Vergessenheit gerät. „In diesem Jahr mehr Entspannung“ – klingt doch super! Der oder die eine oder andere trotzdem fängt trotzdem an zu schmunzeln – zu Recht. Was das Durchhalten leichter macht und warum ich finde, dass Vorsätze eine nette Sache sind…

Der Vision eine Chance geben

Wer kennt es nicht? Am Anfang ist die Euphorie groß. Für ein paar Wochen klappt es und bald fällt man in das alte, gemütliche Muster zurück. Es gibt gute Gründe dafür, dass Neujahrsvorsätze nach einiger Zeit wieder unter den Teppich gekehrt werden. Das Durchsetzen eines Vorsatzes ist nämlich gar nicht so einfach. Um ein Vorhaben in die Tat umzusetzen, braucht es vieles, vor allem aber eine genaue Vorstellung von dem, was man erreichen möchte und wie man es erreichen möchte.

Möchte ich etwa mehr Entspannung, brauche ich zunächst ein konkretes Ziel. „Mehr Entspannung“ – schön und gut, aber was bedeutet das genau für mich? Wie komme ich an mein Ziel? In welchem Zeitraum möchte ich mein Ziel erreichen? Warum möchte ich das überhaupt? Das sind Fragen, die bei einem Master-Vorsatz nicht ausbleiben sollten.

Mit dem Master-Plan zum Master-Vorsatz

Konkrete Ziele sind hilfreich. (Foto: Mc Jefferson Agloro)

Ein besserer Vorsatz wäre demnach für mich: Ab nächster Woche werde ich mich jeden dritten Tag für eine Stunde mit einer Tüte (natürlich Bio-)Popcorn auf die Couch legen und Seifenopern gucken. Klingt doch schon viel greifbarer und nebenbei vielversprechend. Was ich dafür tun muss? Logisch – für Popcorn sorgen (in meinem Fall auch noch für einen Fernseher und eine Couch, aber tun wir mal so, als wäre das vorhanden).

Dazu kommen noch andere kleine Hürden wie etwa die Sendezeit einer Soap oder alternativ das Anlegen eines Netflix-Accounts. Aber was, wenn mir eine Hausarbeit dazwischen funkt? Und reicht mir eine Stunde zur Entspannung? Entspannt mich das wirklich? Was, wenn die imaginäre Couch zu dieser Zeit belegt ist? Man merkt, obwohl mein Vorsatz recht konkret formuliert ist und zunächst unkompliziert scheint, gehören ein paar Überlegungen dazu. Um einen Vorsatz erfolgreich in die Tat umzusetzen, muss es also vorher schon heißen: Zeit nehmen, Gedanken machen, Prioritäten setzen und einen realistischen Plan schmieden!

Schwarz auf Weiß

Die Liste für das gute Gefühl. (Foto: Glenn Carstens-Peters)

Das Aufschreiben von realistischen Zielen gibt Vorsätzen ebenfalls eine Chance. Es motiviert mich, wenn ich Dinge von meiner To-Do-Liste streichen kann. Es sei denn, ich staple meine Ziele zu hoch und erreiche nur die Hälfte.

Wenn ich mich richtig erinnere, schlägt Sean Brummel in seinem Buch „Einen Scheiß muss ich“ (ein Lese- oder Hörtipp für Leute, die sich viele Gedanken über ihr Tun machen) eine außergewöhnliche Art von Liste vor. Auf diese Liste schreibt man einfach die Dinge, die man nicht erledigen möchte. „Ich möchte diese Woche auf gar keinen Fall den Müll runterbringen“. Das lässt sich schnell abhaken und das Gewissen ist beruhigt. Gar nicht mal so unklug. Vielleicht tut es eine Mischung aus beidem.

Vorsätze sind gute Animateure

Vorsätze geben Halt. (Foto: Ian Schneider)

Mir tut es gut, zu wissen, was ich in diesem Jahr, in diesem Monat, in dieser Woche und an diesem Tag erledigen will. Vorsätze und Ziele geben mir nicht nur einen Rahmen in einem Studentenleben, indem es ohnehin wenig äußere Struktur gibt. Sie geben eine Richtung vor. Eine Vorstellung von der eigenen Person und dem Leben, was man sich wünscht. Also braucht es für Vorsätze natürlich nicht unbedingt ein neues Jahr.

Habe ich erst einmal ein Vorhaben und die dazugehörigen Ziele durchgesetzt, fühle ich mich fantastisch. Okay, wahrscheinlich hängt das auch von der Größe und Bedeutung des Vorsatzes ab. Nehme ich mir vor morgens einen Tee zu kochen, ist es eher unwahrscheinlich, dass ich deswegen strahlend und prahlend durch die Gegend laufe. Trotzdem klopfe ich mir gerne mal auf die eigene Schulter. Und auch, wenn ein Vorsatz mal nicht erreicht wird – Schwamm drüber. Außerdem wird man doch wohl noch träumen dürfen.

Also warum Vorsätzen nicht wieder eine Chance geben? Das gelingt, indem man sich ihnen mit ganzem Herzen zuwendet. Zeit und Gedanken sind hier eine gute Investion. In diesem Sinne: Wo ein Vorsatz ist, da ist auch ein Weg.

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