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campusLEBEN — 07 Juli 2012

Langeweile in der Pause zwischen zwei Seminaren, wer kennt das nicht? Sechs Stunden frei, das Bett verlockend, aber zu weit weg, die Freunde glänzen durch Abwesenheit, kein Bock auf lernen, die Unistandorte haben freizeittechnisch wenig zu bieten. Was also tun, wenn es Zeit zwischen zwei Seminaren totzuschlagen gilt? Lisa Büntemeyer hat sich eine Woche lang für die speakUP an der Uni gelangweilt.

Eigentlich habe ich diese Woche kaum Seminare, aber auch sonst nicht viel zu tun. Ich fahre also jeden Tag spätestens um 12 an den Campus Neues Palais und überlege mir vor Ort, wie ich zwei bis sechs Freistunden (mal imaginär, mal habe ich tatsächlich eine Veranstaltung) überbrücken kann. Ein Bericht über sinn- volle und völlig nutzlose Aktivitäten in Freiblöcken:

Montag, 11.45 Uhr. Leicht gerädert beende ich das erste Seminar, das Wochenende steckt mir noch in den Knochen, am liebsten würde ich schlafen. Das Wetter und die Wiese sind verlockend, dennoch möchte ich den ersten Tag des Selbstversuches sinnvoll nutzen. Ich setze mich nach zweieinhalb Jahren Abwesenheit in die Bibliothek und lerne. Kommt mir sinnvoll vor, ist aber wenig effektiv, da es nicht wirklich was zu lernen gibt. Nach einer halben Stunde bin ich nur noch am Surfen und versuche herauszufinden, was berühmte Menschen in ihrer arbeitsfreien Zeit tun. Bis auf die Information, dass Paris Hilton ins Solarium geht, finde ich lange gar nichts. Dann stoße ich auf Albert Einsteins Biografie. Der gute Mann hat tatsächlich die erste Aufnahmeprüfung zu seinem Studium vermasselt, weil er statt zu lernen lieber in den Urlaub nach Italien gefahren ist. Angenommen wurde er erst ein Jahr später, als er mit 17 Jahren das Abitur in der Tasche hatte. Ich neh- me mir das zum Vorbild und gehe raus. Zwar nicht nach Italien, aber auch im Park Sanssouci kommt ein wenig exotische Stimmung auf. Zwei Stunden abseits der Hauptallee zeigen mir, dass der Park wirklich schön ist. Drachenhaus, Botanischer Garten, die Römischen Bäder, all das hatte ich in den letzten zweieinhalb Jahren höchstens vom Bus aus gesehen.

Dienstag. Heute habe ich keine Veranstaltung. Aber tun wir mal so als ob. Ich erreiche um 14 Uhr das Neue Palais und wage einen neuen Versuch, mich mit der Bibliothek anzufreunden. Es gilt, vier Stunden zu überbrücken. Die Büchersammlung soll mich im Optimalfall zur Essay-Themenfindung bringen. Ich bin leicht überfordert mit dem Angebot und wünsche mir, dass ich wie am Computer einfach Command-F drücken könnte, um die Texte nach Schlagwörtern zu durchsuchen. Schrecklich, diese Medienwissenschaftsstudenten. Irgendwann stoße ich tatsächlich auf Nützliches und leihe mir das Buch aus. Zum Lesen hab ich jetzt aber zu viel Hunger. In der Mensa treffe ich Kommilitonen, mit denen ich in den letzten sechs Semestern kaum

ein Wort gewechselt habe. Wa- rum sollte ich sie nicht kennenlernen, denke ich mir und die restlichen zwei Freistunden sind gerettet.
Mittwoch. Langeweile. Am Liebsten würde ich nach Hause fahren, aber dann komme ich sowieso nicht noch mal zurück. S-Bahn sei Dank. Lernen kann ich auch morgen noch. Ich informiere mich per Flyer über die politischen Einrichtungen an der Uni und beschließe, wen ich wählen könnte. Ich fahre in die Potsdamer Innenstadt, habe dann aber doch kein Geld zum Shoppen dabei und fahre wieder zurück. Immer noch eine Stunde. Also setze ich mich auf die Wiese neben der Mensa und spiele Philosoph. Löcher in die Luft starren und dabei auf kluge Gedanken kommen will mir aber nicht so recht gelingen, ich schlafe ein. Als ich wieder aufwache, ist mein Seminar vorbei.

Donnerstag. Beim Sonnen auf der Wiese vor dem Baseballplatz kommt mir die Erleuchtung: Hochschulsportkurse! Für zwei oder mehr Freistunden lässt sich an fast jedem Tag ein geeigneter Sport- kurs finden. Kann sein, dass man als al- ter Fußballer auf einmal im Balletkurs steckt oder nach japanischer Tradition mit Schwertern in der Luft rumfuchtelt, aber das ist auf jeden Fall besser, als das Seminar zu verschlafen oder unproduktiv in der Mensa abzuhängen. Jetzt ist es na- türlich zu spät, mich noch in Kurse ein- zuschreiben, aber für das Wintersemester nehme ich mir fest vor, Sportkurse am
Neuen Palais zu besuchen.

Freitag. Heute gilt es, die Welt der Uni Potsdam zu erkunden. Wie sieht eigentlich Golm aus? Ich setze mich in den Bus und lande prompt am Wissenschaftspark. Eine halbe Stunde lang suche ich das Institut, bis ich feststelle, dass ich einfach falsch ausgestiegen bin. Endlich wandere ich über den Campus und fühle mich wie ein Fremdkörper an meiner eigenen Uni. Als ich nach zwei Stunden ans Neue Palais zu- rückkehre, überkommt mich fast so etwas wie ein Heimatgefühl. Ich setze mich in die Sonne und tue das erste richtig Sinnvolle in dieser Woche: Ich lese ein gutes Buch.

Fazit: Zum Überbrücken von Freistunden gibt es tatsächlich ein paar interessante Alternativen. Die weniger spannende, aber studientechnisch sinnvolle Option ist natürlich Lernen, Lesen und Recherche für Hausarbeiten in der Bibliothek. Viel besser: Ein Spaziergang abseits der Hauptallee in Sanssouci. Überhaupt eignet sich die freie Zeit besonders für die Berliner Studenten unter uns, um die Stadt Potsdam einmal genauer zu erkunden und in der eigenen Unistadt Tou- rist zu sein. Rund um den Alten Markt und im Park gibt es viel zu sehen. Hochschulsportkurse füllen die Stunden mit Bewegung und Spaß. Praktischerweise gibt es am Neuen Palais auch Duschen.

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