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campusKREATIV Ganz vorn — 02 Januar 2017
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Weihnachtslichter in den Straßen Sevillas (Foto: Eileen Schüler)

Anderes Land – andere Weihnachtstraditionen: Wie wird Weihnachten in Spanien gefeiert? Und wie beginnen die Spanier_innen das Jahr 2017? Von Eileen Schüler.

Während Ihr in Potsdam und Berlin friert und Euch mit heißem Glühwein an den Weihnachtsmarktbuden aufwärmt, ist es in Sevilla so warm wie im deutschen September. Bei den Temperaturen (20 Grad und Sonne) kommt noch keine Weihnachtsstimmung auf. In Deutschland freuen wir uns, wenn die bunten Weihnachtslichter so schnell wie möglich angehen und den dunklen November vertreiben, aber hier erstrahlen sie noch nicht mal am 2. Advent, sondern sie erhellen die Stadt erst am 7. Dezember.

Deutsche Weihnachtsstimmung nach Spanien geholt

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In der Weihnachtsbäckerei (Foto: Eileen Schüler)

Kurz vor dem 1. Advent frage ich meine spanischen Mitbewohnerinnen: „Was macht ihr am 1. Advent?“ Sie schauen mich erstaunt an und fragen: „Advent? Was ist das?“ Ich erkläre ihnen, dass nun die Vorweihnachtszeit und wir in Deutschland uns an den vier Adventssonntagen mit der Familie oder Freunden treffen und etwas zusammen unternehmen wie besipielsweise auf den Weihnachtsmarkt gehen.

In Spanien erscheint es jedoch ein Sonntag wie jeder anderer zu sein. So backe ich trotzdem meine Plätzchen und höre die Weihnachtslieder in meinem Zimmer rauf und runter, während neben an spanischer Reggeaton zu hören ist.

Meine Mama schickte mir außerdem ein Päckchen mit Schokoladenweihnachtsmännern und Weihnachtstee. Es ist schön,wenn man weiß, dass trotz der Entfernung an einen gedacht wird und man vermisst wird.

Freie Zeit im Dezember

In Deutschland hetzen die Menschen durch die Geschäfte, um Weihnachtsgeschenke für ihre Lieben zu kaufen oder man muss auf der Arbeit Überstunden machen, damit das Weihnachtsgeschäft boomt. In Sevilla herrscht zwar auch weihnachtlicher Trubel, aber am 6. Dezember kommt nicht nur der Nikolaus, sondern in Spanien ist Día de la Constitución (Tag der Verfassung). Für die Spanier_innen ist dies ein Feiertag, denn am 6. Dezember 1978 wurde eine neue Verfassung festgelegt, in der Spanien nach der Regierung des Diktators Francisco Franco demokratisch wurde.

Ein weiterer Feiertag folgt am 8. Dezember. An diesem Tag wurde die Unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria gefeiert, hier ist sie besser bekannt als Madonna. In Italien und Spanien wird zu Ehren der Heiligen Jungfrau ein Essen in der Familie oder mit Freunden veranstaltet. Deswegen organisierte ich ein internationales Weihnachtsessen mit italienischen, französischen und spanischen Freunden und jeder kochte eine landestypische Spezialität. Außerdem gab katholische Züge durch die Straßen der Stadt mit Figuren der Madonna.

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Winterwonderland in Sevilla (Foto: Eileen Schüler)

Außerdem hatte ich eine komplette Woche in der Uni frei, denn viele Student_innen kommen aus kleineren Dörfern außerhalb von Sevilla. Aus diesem Grund ließen die Professor_innen ihre Student_innen entscheiden, ob die Vorlesung stattfindet oder ob Brückentage gemacht werden.

Geldregen zu Weihnachten

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Weihnachtslotterie (Foto: Eileen Schüler)

Seit 1812 ist die Weihnachtslotterie eine Tradition in Spanien. Aufgrund der Gesamtsumme gehört sie zur größten Lotterie der Welt. Viele Spanier_innen kaufen sich Lose und sind am 21./22.12 sehr gespannt, wenn die Ziehung ausgerufen wird. Der Gewinn geht nicht nur an einzelne Personen, sondern wird auch an ganze Dörfer verlost. In diesem Jahr gewann ein Dorf in der Nähe von Madrid 120 Millionen Euro, diesen Gewinn teilen sie untereinander auf und wird für die Landwirtschaft verwendet.

Die Heilige Nacht

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Weihnachtsmarkt in Sevilla (Foto: Eileen Schüler)

In Spanien heißt es am 24. Dezember Noche Buena, wie in Deutschland, versammelt sich an diesem Tag die ganze Familie zu einem üppigen Abendessen. Eine spanische Weihnachtssüßigkeit ist Turron, das aus gerösteten Mandeln, Zucker, Honig und Eiern hergestellt wird. Nach dem Essen gibt es die „Urne des Schicksals“, in der sich kleine Geschenke befinden. Die eigentlichen Geschenke gibt es jedoch erst am 6. Januar.

Um 0 Uhr werden die Glocken zur Mitternachtsmesse geläutet, die Misa del Gallo genannt wird, da ein Hahn die frohe Botschaft – die Geburt des Christuskindes- zuerst verkündet haben solle. Danach versammeln sich die Menschen auf Plätzen und singen bis zum Morgengrauen Weihnachtslieder.

Spanische Weihnachtszeit

Nach dem 26. Dezember ist in Deutschland der Weihnachtszauber vorbei. Man kann kein Last Christmas oder ähnliches mehr hören, isst die letzten Weihnachtsmänner und lässt das Jahr ausklingen. In Spanien hingegen beginnt die Weihnachtszeit erst jetzt richtig. Es gibt Krippenspiele und kleine Feste zwischendurch.

Vom 30. Dezember bis zum 1. Januar findet die Fiesta de Coretta statt, mit der das neue Jahr beginnt. Es wird Brennholz gesammelt und eine Kiefer wird gefällt, die dann festlich geschmückt von Dorf zu Dorf zieht und zum Schluss gesegnet wird. Natürlich werden die Tage mit gutem Essen und Trinken zelebriert. Kurz vor Mitternacht in der Silvesternacht Leute auf den Rathausplätzen der Städte und essen 12 Glückstrauben bei den 12 Glockenschlägen, um das neue Jahr gut zu beginnen.

Während wir am 6. Januar alle Weihnachtsbäume auf die Straße stellen, ist es in Spanien ein besonderer Tag- der Dreikönigstag oder Día de los Reyes. Bereits am 5. Januar ziehen die Heiligen drei Könige aus dem Morgenland in die spanischen Dörfer. Dort empfängt man sie mit einem Umzug und biblischen Aufführungen. Am Abend stellen die Kinder ihre Schuhe sowie Stroh und Wasser für die Kamele bereit und erhoffen sich so ihre langersehnten Geschenke. Zum Abschluss gibt es wieder ein Festtagsessen und dann ist auch in Spanien Weihnachten vorbei.

 

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