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campusPOLITIK Featured Ganz vorn — 24 März 2018

Für viele Ausflugsziel, für andere Arbeitsplatz: Der Deutsche Bundestag. (Foto: pixabay.com)

Sechs Abgeordnete haben mit der speakUP über ihre Studienzeit in Potsdam gesprochen und Einblicke in die Zeit gewährt, als Golm, Griebnitzsee und das Neue Palais noch wichtiger waren als das Berliner Regierungsviertel. Im ersten Teil stellen wir vor: Dr. Manja Schüle (SPD), Victor Perli (Die Linke) und Dr. Marcus Faber (FDP) – über Mensagerichte, interdisziplinäre Partys und die ersten Schritte im Politikbetrieb. Von Carolin Kulling.

Die neue Regierung ist erst seit einigen Tagen vereidigt und schon machen die neuen Ministerinnen und Minister mit ersten Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Grund genug einmal genauer durch die Reihen des neu gewählten Bundestags zu schauen. Einige der Politiker_innen, die heute dort sitzen, haben vor ihrer Arbeit im Plenarsaal ganz andere Räumlichkeiten kennengelernt: nämlich die Hörsäle und Seminarräume der Universität Potsdam!

Dr. Manja Schüle von der SPD (Foto: manja-schuele.de)

Dr. Manja Schüle (SPD)

Die Studienzeit von Manja Schüle liegt zwar schon über zehn Jahre zurück, aber ganz weggekommen ist sie von der Uni bis heute nicht: „Es war eine wahnsinnig schöne und intensive Zeit“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „So schön, dass ich heute wieder in direkter Nachbarschaft zu meiner alten Alma Mater wohne!“

Schüle wurde 2017 erstmals für die SPD in den Bundestag gewählt. Dort vertritt sie ihre Wahlheimat Potsdam und Umgebung. An der Universität Potsdam studierte sie Politikwissenschaften und schloss ihr Studium im Jahr 2006 ab – mit Doktortitel. Rückblickend beschreibt Schüle ihre Studienzeit in Potsdam als aufregend, sie berichtet von vielen Freiheiten und Möglichkeiten, die ihr hier geboten wurden und von ihrer Freude am Studium: „Es war eine Uni im Aufbau. Es war eine Uni, an der ich Studentin und nicht Matrikelnummer war.“

Zum Politikstudium hat bei Manja Schüle aber auch gehört, was außerhalb der Hörsäle geschah: „In der Mensa wurde nicht nur gegessen, dort trafen sich die Skat-Runden, die Lerngruppen, die Powis mit den Soziologen. Und nicht selten wurde die Mensa abends zum Partysaal.“ Und die interdisziplinären Feiern, so sagt sie, kamen auch im ernsten Uni-Leben nie zu kurz. Neben dem Studium war es aber vor allem die Politik, um die sich ihr Leben schon damals gedreht hat. Schüle hat das politische Terrain 21 Jahre lang ehrenamtlich erlebt, unter anderem an der Juso-Hochschulgruppe der Uni Potsdam. Dass sie eines Tages im Bundestag sitzen würde, war kein lang gehegter Plan von ihr: „Es hat mir gefallen, so wie es war.”

Victor Perli von den Linken (Foto: perli.de)

Victor Perli (Die Linke)

Victor Perli ist studierter Politikwissenschaftler, war schon Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag und sitzt heute für Die Linke im Bundestag. Man könnte meinen, es sei schon immer sein Ziel gewesen die politische Karriereleiter zu besteigen – doch im Gegenteil. Zu seiner Tätigkeit im Bundestag sagt er: “Das ist ja kein Beruf, sondern ein Amt auf Zeit, das ich sicher nicht bis zur Rente ausüben möchte.”

Victor Perli wurde bei der Bundestagswahl 2017 erstmals für Die Linke in den Bundestag gewählt. Er ist Sohn italienisch-niederländischer Einwanderer und lebt heute in Wolfenbüttel. Sein Studium der Politikwissenschaften, Soziologie und der Neueren Geschichte begann er nicht hier in Potsdam, sondern zunächst an der TU Braunschweig. Der Magisterabschluss wurde dem gebürtigen Nordrhein-Westfalen aber an der Universität Potsdam verliehen. Seine dortige Zeit beschreibt Perli heute als sehr prägend. Er hatte in Potsdam Zeit sich intensiv mit seiner Gesellschaftskritik und Denkern wie Marx und Bourdieu zu beschäftigen.

Neben dem Studium konnte er sich auch für die Stadt Potsdam begeistern: “Dadurch, dass die Uni auf mehrere Standorte verteilt ist, konnte man gut die wunderschöne Stadt mit ihren weitläufigen Parks kennenlernen.” Trotzdem übt er Kritik an den heutigen Mietpreisen in der Stadt, diese seien für viele Studis schlicht nicht mehr bezahlbar. Er selbst musste neben dem Studium arbeiten, um sich sein Leben zu finanzieren.

Dr. Marcus Faber von der FDP (Foto: privat)

Dr. Marcus Faber (FDP)

Kommilitonen, die Politik studieren, sich aber nicht politisch engagieren, hat Dr. Marcus Faber von der FDP noch nie wirklich verstanden. Für ihn war es schon zu seinen Studienzeiten eine Option, sich später bei der Bundestagswahl aufstellen zu lassen – mit Erfolg. 2017 wurde Faber für den Wahlkreis Altmark (Sachsen-Anhalt) in den Bundestag gewählt.

An politischer Vorerfahrung mangelt es ihm dabei nicht: Er war unter anderem schon wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag und Referent für Grundsatzfragen im Brandenburgischen Landtag. Von 2003 bis 2008 war Faber aber vor allem Politikstudent an der Uni Potsdam, von 2009 bis 2013 hat er hier sogar zum Thema “Direkte Demokratie” promoviert.

An seine Studienzeit erinnert er sich heute gern zurück: “Sie wurde geprägt von vielen, vielen spannenden Texten – deren Studium den Unterschied zwischen Studierenden und “Studierenden” machte – und großartigen Partys!” Faber besuchte während seines Studiums gern die Lehrveranstaltungen, Mensa-Fan war er in den Pausen zwischendurch aber eher nicht. Wenn es ihn dann aber doch dorthin verschlagen hat, gab es Nudeln mit Tomatensoße und Jagdwurst – sein Favorit.

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