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campusKREATIV Featured Ganz vorn — 14 Juni 2018

Foto: Daniel von Appen

Der Frühling ist und war heiß. Wir schwitzen auf dem Campus, in den Hörsälen und Seminarräumen. Wir bleiben an den Stühlen kleben, werden von der Sonne geblendet und feiern jede frische Briese. Die Zeit, die wir in warmen Seminarräumen verbringen, ist jedoch begrenzt. Wenn uns schon so warm ist, wie muss es dann wohl den Utensilien und dem Mobiliar in den Räumen gehen, die dort den ganzen Tag verbringen? Von Jasmin Rida.

 

Der Overhead-Projekor (auch Polyluchs)

Der Overhead-Projektor ist das einzige Utensil mit Stimme. Diese weiß er ganz genau einzusetzen. Eigentlich liebt er seine Arbeit. Dass er selbst in Zeiten der Digitalisierung regelmäßig zum Einsatz kommt, macht ihn stolz. So stolz, dass er bei Unanehmlichkeiten mal schnell zur Diva wird. Deshalb macht er sich auch bei den für Elektronik unerträglichen Temperaturen bemerkbar. Erst durch ein unscheinbares Summen, dann durch ein unüberhörbares Brummen. Wenn er die Nase bzw. den Overhead voll hat, schaltet er sich einfach aus. Er ist eben von der alten Schule…

Das Fenster

Das Fenster kommt bei den herrschenden Temperaturen tagsüber kaum zur Ruhe. Rollo nach oben, Rollo wieder runter. Immerzu wird durchgelüftet und neben dem Zug, dem es jedes Mal Stand halten muss, bangt es in diesen Momenten davor zuknallen zu müssen.  Außerdem ist es ständig Mittelpunkt von studentischen Diskussionen. Zwar auch im Winter, doch im Sommer spitzt sich die Situation zu: “Können wir mal bei der Hitze das Fenster aufmachen?”, “Wie kann man denn bei den Temperaturen das Fenster aufmachen? Das wird nur schlimmer!”. Eine_r kennt sich besser aus als ein_e  andere_r, aber wenn es ums Putzen geht, will niemand mehr etwas mit dem Fenster zu tun haben.

Der Stuhl

Den undankbarsten Job von allen im Seminarraum hat wahrscheinlich der Stuhl. Als ob die Hitze allein nicht schon quälend genug wäre – Ständig kommt jemand und setzt sich, mehr oder weniger achtsam, auf ihm nieder: Glühende Menschen. Wenn es hart auf hart kommt, sitzt für 90 Minuten jemand auf ihm drauf. Einige von den Studierenden meinen sogar, sie müssten zwischen den Seminaren auf ihm Platz nehmen, da bleibt für den Stuhl wenig Zeit für eine Abkühlung. Und dann beschweren sie sich noch, dass der Stuhl schon “vorgewärmt” sei. “Ja, welch Wunder!”, muss der Stuhl sich denken. Mit etwas Glück bildet die Seminargruppe einen Stuhlkreis und bewegt sich im Raum. So bekommt er wenigstens hin und wieder einen Windzug ab. Oder die richtigen Glückspilze unter den Stühlen an heißen Tagen: die hochgestellten.

Die Tafel

Foto: John Mark Smith

Die Tafel lässt sich von der Hitze nicht sonderlich beeindrucken. Ohnehin wird sie in Seminarräumen zunehmend zur stillen Beobachterin. Wenn sie dann doch mal benutzt wird, kann sie sich auf das freuen, was danach passiert: Das Tafelwischen. Im besten Fall gibt es frisches Wasser aus der Leitung und einen weichen sauberen Schwamm. Es gibt sogar Studierende, die den Akt des Tafelwischens ausgiebig mit der Tafel zelebrieren. Von einer Seite zur anderen und immer von oben nach unten. Zwar gibt es nach wie vor diejenigen, die lieblos kurz mal drüberwischen, aber auch auf diese Weise bekommt die Tafel eine kleine Erfrischung.

Die Utensilien haben es in heißen Seminarräumen nicht leichter als die Studierenden. Zum Glück gibt es für uns auch kühle Orte und Erfrischungsmöglichkeiten. Und auch Stuhl und Overhead-Projektor können sich ausruhen, wenn das Licht nach dem letzten Seminar ausgeht und durchs Fenster die frische Abendluft hineinweht. Und weil auch Kolumnen mal eine Pause brauchen, nimmt sich jetzt auch diese eine Auszeit.

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