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campusKREATIV Featured Ganz vorn — 25 Juli 2017

Abschied nehmen und sich auf neue Wege begeben (Foto: Ricarda Kluge)

„Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!“, so beginnt der erste Vers von Goethes Gedicht „Willkommen und Abschied“. Und so schnell schlug auch mein Herz, als ich mich Ende Juni von der andalusischen Hauptstadt Sevilla verabschiedete, die mir mit der Zeit sehr ans Herz gewachsen ist. Ein letzter Spaziergang, ein letzter Kaffee in der Uni, die letzte Nacht mit Freunden. Von Eileen Schüler.

Wege zu gehen, nicht mehr in der königlichen Tabakfabrik zu sein, die meine Uni war und nicht mehr all den Menschen zu begegnen, die ich in kurzer Zeit in mein Herz geschlossen hatte. Spanien ist jetzt nicht weit weg, aber trotzdem werde ich nicht mehr den Studialltag dort erleben. Und das macht mich traurig. Doch auch die schönste Zeit muss einmal zu Ende gehen!

Warum müssen wir uns im Leben von Dingen oder Personen verabschieden?

Ein letzter Blick auf die Giralda – das Wahrzeichen von Sevilla (Foto: Eileen Schüler)

Es treten so viele Menschen in unser Leben und es verschwinden viele Menschen wieder aus unserem Leben. Doch die Personen, die uns am Herzen liegen und die uns wertschätzen, werden uns für die Ewigkeit im Gedächtnis bleiben. „Abschiedsworte müssen kurz sein wie Liebeserklärungen“, sagte einmal Theodor Fontane. Aus diesem Grund kauften viele Erasmus-Student_innen eine Spanienfahne und ließen ihre neu gewonnenen Freunde dort zum Abschied unterschreiben. Ich kaufte ein kleines Büchlein und ließ jede_n dort etwas reinschreiben. Dadurch hatte ich etwas Schönes auf dem Rückflug zum Lesen.

So schwer uns der Abschied auch fällt, er ist nötig, damit etwas Neues beginnen kann. Deswegen bin ich mit einem lachenden und einem traurigen Auge nach Deutschland geflogen. Ich habe mein spanisches Leben verlassen und kann nun wieder mein deutsches Leben beginnen mit all den lieben Menschen, die mich in der Heimat erwarten. Abschiede bedeuten auch nicht, dass sie endgültig sind, denn man sieht sich immer zweimal im Leben.

Kulturschock

Hola guapa/guapo! (Foto: Jon Tyson von unsplash)

In Sevilla war es so heiß, dass man verglüht ist und in Deutschland ist es kühl und regnerisch. Was für eine Erfrischung! Auf den Straßen von Sevilla bekommt man ein freundliches „Hola, guapa!“(Hallo Hübsche!) zugerufen, während man hier von der Berliner Schnauze wieder nett begrüßt wird. Für einen guten Kaffee in Deutschland muss man schon 3€ aus dem Geldbeutel holen, während man in Spanien überall einen leckeren Kaffee für einen Euro serviert bekommt. Wenn man lange Zeit an einem anderen Ort gelebt hat, kann es schon mal vorkommen, dass man sich auf bekannten Wegen in der Heimat verirrt. Bekanntes ist plötzlich fremd. Das hat aber auch etwas Gutes, denn so kann man seine Heimat wieder neu entdecken. Einen Waldspaziergang, einen Sprung kopfüber in den See oder ein deutsches Körnerbrot lernt man wieder wertzuschätzen.

Neuanfang

„Und doch, welch Glück, geliebt zu werden! / Und lieben, Götter, welch ein Glück“, lauten die letzten beiden Verse von Goethes Gedicht. Es ist schön zu wissen, dass man überall nun gute Freundschaften gefunden hat. In Spanien sowie in Deutschland. Meine spanischen Freunde sagen mit einer Träne im Auge : „Wir vermissen dich!“, während meine deutschen Freunde und Familienmitglieder freudestrahlend sagen: „Schön, dass du wieder da bist!“ Mein Herz schlägt nun für zwei Nationen: Es trägt die spanische und die deutsche Flagge. Und irgendwann kehre ich auch nach Spanien zurück, aber nun ist es Zeit wieder mein deutsches Leben zu leben.

Diese Kolumne hat mich ebenfalls während meines Auslandsjahres begleitet und nun ist es Zeit die letzten Zeilen zu schreiben. Auch wenn etwas Schönes aufhört, beginnt immer ein neuer Anfang, der frischen Wind mitbringt.

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