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Nach dem Stück durfte das Publikum den Puppen ganz nah kommen. Foto: Angelina Schüler

Nach dem Stück durfte das Publikum den Puppen ganz nah kommen. Foto: Angelina Schüler

Schaumstoff, Reifröcke und Schnüre: mehr braucht es nicht, um eine Geschichte von Leben und Tod zu erzählen. Das 23. Unidram Festival wurde eröffnet und die speakUP war dabei. Von Angelina Schüler.

 

Vizepräsident Prof. Dr. Florian J. Schweigert sprach von der Untrennbarkeit geistigem Wissens und künstlerischer Expression. Die frisch ernannte Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Ulrike Gutheil, hob den hohen Stellenwert der freien Theaterszene als wichtigster Impulsgeber für Kreativität hervor.

Festivalleiter Thomas Pösl erzählte eine Geschichte von zwei Studierenden der Pädagogischen Hochschule, die vor 27 Jahren wegen des Mauerfalls fast ihren Zug verpassten und wenig später ein kleines Unitheaterfestival ins Leben riefen. Daraus entstand das Unidram Festival, welches am 08. November in die 23. Runde ging. Mittlerweile ist das Festival zu einer Plattform für modernes, innovatives und spartenübergreifendes Theater geworden.

Inszenierungen, die zwischen Performance, Schauspiel, Tanz und Bildende Kunst bewegen, werden in fünf Tagen auf verschiedenen Bühnen in der Schiffbauergasse gezeigt. Darüber hinaus wird es ein buntes Festivalprogramm mit Musik und einer großen Abschlussparty geben. Dieses Jahr wird auch wieder die Schinkelhalle bespielt und ein neues Festivalzelt eingeweiht.

Eröffnungsstück BLIND begeistert

Das diesjährige Eröffnungsstück stammte aus den Niederlanden. In dem Solostück rief der brasilianische Puppenspieler Duda Paiva mithilfe von Puppen aus Schaumstoff seine inneren Ängste und Gefühle ins Leben. BLIND begeisterte durch den herzhaften Wirt und die beeindruckenden Bilder. Der Klangteppich aus Alltagsgeräuschen und atmosphärischen Klängen untermalte das Spiel mit den großen Figuren, die sich im Verlauf als Heilerin, Hässlichkeit und Schönheit herausstellten. Bilder von Hieronymus Bosch wurden als Inspiration verwendet.

Der Spieler, in einem Ganzkörperbody mit großen Beulen gekleidet, die Geschwüre darstellten, wartete geduldig im Publikum sitzend die Eröffnungsreden ab und erklärte anschließend, dass er auf den Doktor wartete. Er sprach von Ausgrenzung, weil er anders aussähe. Seine Geschwüre juckten und er müsse sich immer kratzen. Die Interaktion mit dem Publikum stand an diesem Abend im Vordergrund und sorgte für reichliche Lacher.

Doch auch Tränen durften vergossen werden. Denn die Geschwüre wurden nach und nach vom Körper des Tänzers entfernt und stellten sich in Gestalt von Puppen als Teile der Persönlichkeit des Spielers heraus. Hochemotional musste dieser am Ende seine Schönheit beerdigen. Auch die lebensgroße Puppe der Heilerin konnte nicht mehr helfen.

Die Figuren verschwammen mit den Spielern und irgendwann konnte man nicht mehr sagen, dass Duda Paiva allein auf der Bühne stand. Ein besonderes Highlight war die anschließende Einladung des Spielers, sich nach dem Stück auf die Bühne zu begeben und die Puppen genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Publikum nahm dies neugierig an. Jede_r durfte die Schaumstofffiguren berühren und spielen. Eine durchweg erfolgreiche Eröffnung.

Das Unidram Festival läuft noch bis zum 12. November. Weitere Infos findet ihr unter: www.unidram.de

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