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Regisseur Jamie (Steffi Bredien, l.) und Skript-„Poliererin“ Tori (Clara Skrippek ) haben viel vor! Und Terry (Florian Seidler) leidet…. Foto: EDG Potsdam

Hollywood kann echt fies sein: Da schreibst du ein fantastisches Drehbuch, voller Liebe, tiefer Gefühle und moralischer Wendungen und die Produzenten machen daraus einen drittklassigen Horrorfilm ohne Sinn und Verstand. Und über all dem Schrott steht dein Name. Von Angelina Schüler.

Terry Kyle Morris hat es geschafft: Sein Drehbuch A Season of Longing soll in Hollywood verfilmt werden! Zugegeben, sein Agent hat fast ein halbes Jahr nichts von sich hören lassen. Aber nun, nachdem das Skript durch gefühlt mehrere hundert Hände ging, landete es auf dem Tisch von James „Jamie“ Pears, dem Regisseur von Buckets of Blood 1, 2, 3 und 5. Terry ist begeistert von so vielen Komplimenten, die er für sein Drehbuch erhält. Es sei fantastisch, herausragend und hätte so viel Potenzial! Doch einmal an die Halsabschneiderproduzenten verkauft, entwickelt sich der romantische Film zum Leidwesen Terrys in einen schlechten Horror-Blockbuster.

Alles nur Parodie, oder?

In dem Theaterstück von Don Zolidis werden die gängigen Hollywood-Klischees ausgespielt, bei denen nicht immer ganz klar ist, ob es nicht auch in Wirklichkeit so ist. Ein skrupelloses Produzententeam, das sich durch Bestechung und einem Hauch psychologischer Kriegsführung die Rechte an dem Drehbuch erkauft; das hirnlose Starlet mit Hang zu Glitzer und kleinen Hunden; der Schönling, der alles nur „Hot!“ findet; das Mädchen vom Dorf, auf eine große Karriere hoffend; die sündhaft teure Skript-„Poliererin“, die mit ihren verrückten Ideen dem Stück den „richtigen Schliff“ geben möchte; der Regisseur und seine überforderte Assistentin, die große Kunst produzieren wollen und schlussendlich der mittellose Dramatiker aus dem fernen New Jersey, der in Kalifornien eigentlich durchstarten wollte.

Die Parodie überzeugt mit hervorragender Überspitzung, einem wunderbar harmonierenden Ensemble und dem ernsten Gegenpol Terry, den man in manchen Situationen einfach gerne in den Arm nehmen und trösten möchte. Er muss miterleben, wie aus seinen starken weiblichen Hauptcharakteren, eigentlich entfremdete Mutter und Tochter, dumme Gänse gemacht werden, die von der Zombie-Großmutter durch ein Waldstück gejagt werden. Anstatt einer zarten Liebesromanze zwischen seinen Figuren Emily und dem armen Floristen Roger gibt es sinnentleerte Dialoge auf einem Pier und einen Angriff durch den Geist eines ertrunkenen Mädchens. Das Finale dieses nun als The Craving betitelten „Meisterwerkes“ umfasst eine siebenminütige Szene, in der ein Wet-T-Shirt-Contest stattfindet. Und da ja laut Vertrag Terry als alleiniger Autor genannt wird, fällt ihm auch sämtliche Kritik anheim. Armer, armer Terry…

Schmaler Grad zwischen Ehrenamt und Uni-Alltag

Hollywood ruft! Steffi Bredien, Kristin Hinz, Lena Fox (v.l.n.r.) Foto: EDG Potsdam

Das rund zwanzigköpfige Team der English Drama Group (EDG) hat mit The Craving wieder mal ihr Können unter Beweis gestellt. Nach längerer Suche ist die Gruppe im letzten Oktober fast über das Theaterstück von Don Zolidis gestolpert. Insgesamt hat das diesjährige Regieteam nur kleinere Änderungen vorgenommen und seit Januar fleißig geprobt. Regisseur Benjamin Langner und die zwei Regieassistenten Stephanie Hauschulz und Benjamin Gaede haben den Spagat zwischen heillosem Klamauk und ernst zunehmender Medienkritik gut gemeistert.

Das von Studiumplus unterstützte Projekt ist jetzt seit 34 Jahren fester Bestandteil der Universität Potsdam und aus der vielseitigen Hochschulgruppenlandschaft nicht mehr wegzudenken. Dabei ist es immer wieder eine Herausforderung für die Regie, einerseits Leistung und Disziplin zu fordern und andererseits genau zu wissen, dass die EDG ein Hobby neben Studium, Freizeit, Familie und Nebenjob ist. Theatermacher_innen wissen, dass ein Stück nur entstehen kann, wenn alle an einem Strang ziehen und ihr Herzblut in das Projekt stecken, so wie Terry es bei seinem Skript getan hat. Vor allem im Laientheater muss sich die Regie auf die Spielenden verlassen können. Schön, wenn wie bei der EDG alle mit anpacken und auch die kleinen Rollen ihren großen Auftritt bekommen. The Craving ist amüsant und kurzweilig mit viel Leidenschaft und einer gehörigen Portion Ironie. Es lohnt sich, abends noch in der Oberen Mensa am Campus Neues Palais vorbeizuschauen.

Die nächsten Vorstellungen von The Craving finden an folgenden Tagen jeweils ab 19.30 Uhr statt: 17./19./22./27. Juni und 5./7. Juli. Karten kosten 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Weitere Informationen findet ihr hier.

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