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campusKREATIV campusKULTUR — 01 April 2014
Moschee von Casablanca (Bild: Pascal Kroh)

Moschee von Casablanca (Bild: Pascal Kroh)

Kaum ein anderes Land in Afrika ist so beliebt wie Marokko. Zwischen Wüste und Meer existiert eine orientalische Wunderwelt, die dennoch eine enge Verbindung zu Europa hat. Casablanca ist unser Trittstein und das Tor in diese Welt. Von Martha Sander.

Marokko, Ende Juli 2013. Es ist die heißeste Zeit in Nordafrika. In Städten wie Marrakesh oder Fès klettern die Temperaturen bis zur 50 Grad-Marke. Dennoch – wir haben Semesterferien. Endlich Zeit zum Reisen. Wie an der Börse sitzen wir vor dem Rechner, verfolgen die Preisänderungen der Flugtickets. Wir entscheiden uns für einen Flug nach Casablanca über Paris. Hin- und Rücktour für 330 Euro. Das ist saftig, aber das ist es uns wert. Wir haben noch keine Unterkunft, zu dieser Jahreszeit wird es aber kaum Schwierigkeiten geben, ein freies Zimmer zu bekommen. Zwei Tage vor der Reise buchen wir aus Nervosität dann doch noch ein paar Nächte in den Königsstädten Casa, Rabat, Meknes, Marrakesh und Essaouira. Aus der Bibliothek haben wir uns einen guten Reiseführer ausgeliehen; einen zweiten haben wir uns als späteres Andenken selbst gekauft. Als Backpacker ist man in diesem Fall mit dem Lonely Planet gut bedient. Er hat interessante Kapitel über das Leben dort zu bieten. Außerdem sind individuelle Touren durch das ganze Land beschrieben.

Meine Mama sorgt sich

Meine Mama sorgt sich immer sehr um mich. Wie aus dem Ärmel gezaubert gibt sie mir kurz vor Abflug ein Kärtchen mit Telefonnummern eines Kontaktes in Marokko – falls wir in Schwierigkeiten kommen. Die Impfpässe liegen schon seit Wochen bereit. Jetzt kann es aber auch los gehen. Gedanklich krame ich Französisch-Vokabeln aus den verstaubten Heftern heraus und versuche, freundliche Grußworte und Bestellungen zu formulieren. In der Schule hätte ich nicht gedacht, dass Französisch einmal nützlich sein könnte. Ein Irrtum, wie wir beide bei der Ankunft in Casablanca Aéroport feststellen. Keiner spricht hier verständlich Englisch. Wir sind dran. Die Welt von Marokko steht einem offen – wenn man Französisch oder Arabisch beherrscht. Stotternd stehen wir vor dem Hauptbahnhof und versuchen, eine Wegbeschreibung zum Hotel zu bekommen. Zuerst sollte man die Menschen freundlich grüßen, zum Beispiel mit Salam alaykum! Casablanca ist für Neulinge ein guter Einstieg in diese Kultur. Die Stadt ist stark europäisch geprägt, weshalb die Frauen hier auch häufig kein Kopftuch tragen. Dennoch sind Touristen selten, denn meist dient die Stadt lediglich zum Ankommen und Zwischenübernachten für Ausländer. Wir aber wollen die Stadt ein wenig erkunden und haben uns dafür zwei Tage eingeplant.

Aladin und die Wunderlampe

Unser Hotel liegt in der sehr kleinen orientalischen Altstadt, der Medina, die von Mauern mit mehreren Toren umgeben ist. Hier drin bekommen wir einen Eindruck vom mittelalterlichen Treiben, fast so wie bei Aladin und die Wunderlampe. Wunderlampen gibt es hier auch an den Ständen. Immer noch brennt die Sonne und man tut gut daran, einen Hut zu tragen. Humanökologisch wird sogar behauptet, das Kopftuchtragen gehe daraus hervor, sich vor der unerbittlichen Sonne und den Sandwinden nahe der Wüste zu schützen.

Seit wir gelandet sind, müssen wir uns in Selbstdisziplin üben, denn es ist Ramadan. Es wird gefastet, bis die Sonne untergeht. Auch das Trinken ist untersagt. Ausnahmen dürfen lediglich Kinder und Kranke machen. Ramadan steht nicht im Gesetz, aber es wird sehr strikt durchgehalten und beim Verstoß wird man ermahnt. Häufig haben wir auch böse Blicke geerntet. Zum Essen und Trinken gehen wir daher lieber ins Hotel, um die Menschen nicht zu verärgern. Dem Hotelbesitzer haben mein Freund und ich außerdem erzählt, wir seien verlobt. Marokko ist ein muslimisches Land und das versuchen wir zu respektieren. Auch geben wir vor, Christen zu sein, denn die Marokkaner kennen keinen Atheismus. Gefragt werden wir aber nur selten, also müssen wir nur auf unauffälliges Trinken und Essen achten.

Minztee mit unendlich viel Zucker

Abends dann bekommen wir in einem kleinen Café eine typische fastenbrechende Suppe, die sehr nahrhaft und dick ist. Wir glauben, sie besteht aus Linsen, Gemüse und Fleisch. Dazu trinken wir frischen Minztee mit unendlich viel Zucker. Die Leute am Nebentisch haben Plastikflaschen mit selbstgemachtem Saft. Sofort wird uns eine Flasche mit frischem Orangensaft angeboten, wobei es schwer ist, dieses Geschenk abzulehnen. Wir bedanken uns mit dem arabischen Wort Shukran! für Danke. Die Menschen vor unserem Café sind sehr freundlich und gastlich. Auch wenn wir uns nur bruchstückhaft auf Französisch unterhalten können, ist die Atmosphäre sehr angenehm und wir fühlen uns willkommen. Das Wichtigste scheint mir die Offenheit gegenüber der Andersartigkeit, sich stets zu bemühen, die Gepflogenheiten zu beachten und so viel wie möglich in sich aufzunehmen. Auch am nächsten Abend gehen wir zu diesem Lokal und trinken Minztee aus bunten kleinen Gläsern. In hohem Bogen wird der Tee aus silbernen verzierten Kännchen gegossen.

Sieh’ mir nochmal in die Augen, Kleines

Morgen werden wir Casablanca verlassen, um weiterzureisen und andere Städte zu erkunden. Vor unserem kleinen Café planen wir die nächsten Schritte – die Zugfahrt, den Weg zum Medina Surfing Hostel in Rabat und den Wegproviant. Der Abend ist lau. Das Gewimmel in den Gassen können wir entspannt beobachten und die Eindrücke der ersten 48 Stunden in Marokko wirken auf uns, bis wir erschöpft ins Bett fallen. Sieh’ mir nochmal in die Augen, Kleines. Morgen werden wir schon woanders sein. Bessalama!

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