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campusPOLITIK — 30 Dezember 2009

Der Master „Military Studies“ im Kreuzfeuer: Eine Veranstaltung zur zivil-militärischen Zusammenarbeit am Beispiel der Uni Potsdam! Von Teresa Renner

Es gibt nicht viele Studiengänge, die so starke Emotionen hervorrufen. Am 12 Oktober 2007 wurde die feierliche Eröffnung des Master-Studiengangs „Military Studies“ an der Universität Potsdam lautstark torpediert. Seitdem tobt der mediale Kampf um die Deutungshoheit zum Thema „zivil-militärische Zusammenarbeit“.

Um die Diskussion fortzusetzen, hielt der Politologe und Journalist Peer Heinelt am 24. November diesen Jahres einen Vortrag zum Einfluss der Bundeswehr an der Universität Potsdam. Der Vorwurf: Es gehe in diesem Master nicht um freie Wissenschaft, sondern um selektive, affirmative Forschung im Auftrag der Bundeswehr. Die Studierenden sollten während des viersemestrigen Masters zu Multiplikatoren im Dienste der Bundeswehr abgerichtet werden, um deren Bild in Medien-, Politik- und Kultureinrichtungen aufzupolieren.

Die anwesenden Military Studies-Studierenden schossen angesichts so viel Kritik an ihrem Studiengang argumentativ wild in alle Richtungen. Der Referent habe nicht wissenschaftlich gearbeitet, und warum müssten sie sich eigentlich immer für ihre Studienwahl rechtfertigen? Im Anschluss an das Referat explodierten einige Diskussionsteilnehmer förmlich, als diskutiert wurde, warum so wenig kritische Forscher_innen in den Literaturlisten der Seminare zu finden sind und ob auch fundamentale Kritik an den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in den Veranstaltungen des Masterstudienganges seinen Platz hat. Und wie eng ist die Kooperation mit den zwei am Master beteiligten Bundeswehr-Einrichtungen „Sozialwissenschaftliches Institut“ und „Akademie für Information und Kommunikation“ tatsächlich? Na, das Hasso-Plattner-Institut sei doch auch von der Wirtschaft getragen!

Fazit: Diskussion zu diesem Thema tut gut und not. Wer den Abstecher ins Military Studies-Seminar kritisch vorbereiten will, sei an die „Informationsstelle Militarisierung e.V.“ verwiesen: www.imi-online.de. Übrigens: An der Freien Universität Berlin wird ein ganz ähnlicher Konflikt um den Sonderforschungsbereich 700 ausgefochten, der für seine Governance-Forschung unter Anderem zu Afghanistan kritisiert wird. Nachzulesen in der Informationsbroschüre „Failing Sciences – Embedded Stakeholders“, die Im Internet unter www.materialien.org/war/embedded-stakeholders1.pdf zum Abruf bereit steht.

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