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Alexander-Newski-Gedächtniskirche Foto: Philipp A. Bautz

Die Kolonie Alexandrowka ist ein kleines Stück Potsdam, das wie aus einem Märchen gezaubert wirkt. Keine fünfzehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt findet sich dieses kleine russische Dorf. Warum dieses Ensemble nicht nur für Geschichtsliebhaber von Interesse ist. Von Philipp A. Bautz

Es ist ein warmer Sonntagmorgen an dem ich einen Ausflug in die russische Geschichte in Potsdam plane und dafür die Kolonie Alexandrowka besuche. Umgeben von sattem Grün kann man im Potsdamer Norden eine kleine rosafarbene Kapelle entdecken, die einen sofort an das alte Russland erinnert. Als Glanzstück ragt eine von vier kleinen Türmen umringte Zwiebelhaube aus dem Dach. Neben den Vogelgesängen dringen auch die Gesänge der orthodoxen Gemeinde aus der Kapelle, denen man jeden Sonntag für zwei Stunden lauschen kann.

Ein Dorf wie aus einem alten Märchen?

Doch wie kommt es dazu, dass man im Potsdamer Norden, neben der Kapelle, eine ganzes Dorf wie aus einem russischen Märchen entrissen antreffen kann?

Fast 2000 Kilometer von Moskau entfernt bilden vierzehn traditionell anmutende Holzhäuser und eine orthodoxe Kapelle zusammen mit einem kleiner Friedhof die Kolonie Alexandrowka. Die ausgiebigen Gärten der Häuser, in denen über 500 verschiedene Obstsorten wachsen, wurden von Peter Joseph Lenné angelegt, welcher als General-Gartendirektor große Teile der Potsdamer Gartenlandschaft geprägt hat .

Die Geschichte der Kolonie Alexandrowka beginnt mit König Friedrich Wilhelm III. und seinem Krieg gegen Napoleon. Nach der Niederlage gegen die napoleonischen Truppen 1806 war der preußische König zu einem Bündnis mit dem französischen Kaiser gezwungen und musste Napoleons Truppen 20.000 Soldaten für den Feldzug gegen das russische Zarenreich 1812 bereitstellen. Aus 62 Kriegsgefangenen wurde in Potsdam ein Chor geformt, welcher die preußischen Soldaten auf allen Feldzügen begleiten sollte. Napoleons Russlandfeldzug endete in einer verheerenden Niederlage. Das führte zu einer Umkehrung der europäischen Machtverhältnisse, sodass Friedrich Wilhelm III. die Seiten wechseln konnte. 

Das ehemalige Haus des Aufsehers Foto: Philipp A. Bautz

Seit 1802 verband den russischen Zaren Alexander I. und den König von Preußen eine enge, lebenslange Freundschaft. Der Zar füllte deshalb nach dem Sieg über Napoleon den geschrumpften Soldatenchor des Königs mit einigen russischen Sängern auf. Nach dem Tod des Zaren ließ Friedrich Wilhelm III. vor 190 Jahren die Kolonie Alexandrowka als Zeichen seiner Freundschaft anlegen. 1990 wurde die Kolonie restauriert und 1999 Teil des potsdamer UNESCO Weltkulturerbes.

Eine Heimat für die Familien der Chorsänger

Die angelegte Kolonie sollte ursprünglich den Familien der Chorsänger eine neue Heimat stiften und die russische Kultur des Chors am Leben halten. Heute leben in allen Häusern normale Potsdamer, aber man kann trotzdem die Zeichen der Geschichte erkennen.

Natürlich gibt es in der russischen Kolonie auch ein Museum, in dem man noch mehr über die Geschichte der Einwohner_innen, wie auch über die Restauration dieses Ortes erfahren kann. Geöffnet hat es von Dienstag bis Sonntag, 10-18 Uhr.

Nordwestlich der Kolonie auf dem Kapellenberg steht die zum Ensemble gehörende Alexander-Newski-Gedächtniskirche. Die von Karl Friedrich Schinkel erbaute Kapelle ist zwar im altrussischen Stil gebaut, verbindet diesen jedoch mit deutschen und klassizistischen Elementen. Schinkel baute in Potsdam unter anderen auch die Nikolaikirche. Ursprünglich diente sie den Familien der Chorsänger als Gotteshaus. Heute zählen um die 1000 Gläubige zur Gemeinde.

Baikal und Kwas statt Coca Cola

An meinem Tisch höre ich Touristen plaudern und genieße die warmen Sonnenstrahlen, während Kellner_innen unter den wachsamen Blick der Baba Jaga Tee bringen.

Im Zentrum der Kolonie wird traditionelle russische Küche serviert. Man kann sie sowohl draußen im Garten als auch drinnen zwischen all den Kleinigkeiten, die zum traditionellen Russland gehören, genießen. Zwar gibt es keine Coca Cola, dafür aber Kwas und Baikal. Das Restaurant ist vor allem für diejenigen zu empfehlen, die authentische russische Küche suchen. Beachten muss man nur, dass montags Ruhetag ist.

Die Alexandrowka liegt nördlich der Innenstadt, man kann sie mit den Tramlinien 96 und 92 (Haltestelle Puschkinallee) oder den Buslinien 609, 697 und 638 (Haltestelle Am Schragen) erreichen. Vom Nauener Tor aus kann man jedoch auch bequem die Friedrich-Ebert-Straße hinunter spazieren, um an der Kolonie an zu kommen. Innerhalb einer dreiviertel Stunde kann man die Kolonie entdecken und noch in Ruhe einen Kaffee trinken.

Hier auf dem Kapellenberg hat ein neue russische Gemeinde ihr gemütliches Zuhause gefunden.Wer Sonntags die kleine Kirche besucht, der kann ganz unberührt von den vorbeischlendernden Touristen Kinder in ihrem Schatten spielen sehen.

 

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