Anzeige
Tom Wolfs neuestes Buch soll kein klassischer Potsdam-Stadtführer sein (Foto: F. Lamster)

Tom Wolfs neuestes Buch soll kein klassischer Potsdam-Stadtführer sein (Foto: F. Lamster)

Das Neue Palais und den Park Sanssouci, die Nikolaikirche und den BUGA-Park: das sind wohl die Sehenswürdigkeiten, mit denen viele Menschen Potsdam verbinden. Dass die Landeshauptstadt Brandenburgs auf ihren rund 188 Quadratkilometern noch wesentlich mehr Attraktionen zu bieten hat, möchte Tom Wolf mit seinem Buch „111 Orte in Potsdam, die man gesehen haben muss“ verdeutlichen. Einen ersten Eindruck davon präsentierte er am 17. Februar bei einer Lesung und Buchvorstellung in der Bibliothek im Haus 10 am Neuen Palais. Wir haben reingelesen. Von Fabian Lamster.

Alles andere als ein klassischer Stadtführer

Dort, wo sonst Studierende an Tischen kauern und sich auf der Suche nach den entscheidenden Informationen für ihre Hausarbeit oder Prüfungsvorbereitung befinden, ist am heutigen Abend ein Beamer und eine Leinwand aufgebaut. Nicht zufällig, denn Buchautor Tom Wolf möchte allen Interessierten in der Bibliothek im Haus 10 am Neuen Palais sein neuestes Buch vorstellen. Dafür habe er sich quer durch Potsdam bewegt, auch vollkommen abseits der üblichen Touristenpfade, wie Wolf gleich zu anfangs erklärt. Schließlich sei sein Buch alles andere als ein klassischer Stadtführer. Sein Anliegen sei es gewesen, an ausgesuchten Einzelheiten etwas Neues zu erfahren. Darum habe er seinen Fokus auf bestimmte Orte gelegt, die einem so möglicherweise noch nie aufgefallen seien.

Von Skispringern, einer Multibuche und der ersten Eisenbahnstrecke

So macht er die rund 40 Zuhörer_innen zum Beispiel auf eine Skisprunganlage auf dem Schäfereiberg im Wildpark Pirschheide aufmerksam. Hier hoben Skispringer 1970 zum letzten Mal ab, wodurch sie heute kaum noch zu erkennen ist, wie Wolf anhand von Fotos belegt. Auch eine beeindruckende Buche mit mehreren Stämmen im Park Babelsberg, eine faszinierende Denkmal geschützte Glasdecke im Karstadt in der Brandenburger Straße oder ein historischer Rückblick auf die erste Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Potsdam stellt Wolf mit viel Humor und Sachverstand vor. Insgesamt bringt er in die 75-minütige Vorstellung 16 verschiedene Orte unter und liefert einen gelungenen Einblick, was das Publikum erwartet, wenn sie sich auf die Lektüre seines Buches einlassen.

Unterwegs in der Stadt, am Wasser, auf Bergen, in Wäldern und Feldern

Das Buch selbst setzt genau das fort, was Wolf in seiner Lesung begonnen hat. Auf rund 230 Seiten erfährt man von historischen und gegenwärtigen Einzelheiten innerhalb Potsdams, die der Autor selbst erkundet hat und die man sich mithilfe der im Buch enthaltenen Karten selbst anschauen kann. Schade: Die Übersichtskarten lassen sich nicht ohne Weiteres herausnehmen, wodurch man beim eigenen Erkunden den Bucheinband wohl doch stärker belasten dürfte. Manchmal lohnt sich das Entdecken der Orte mehr, manchmal weniger, wie Autor Wolf bereits in der Lesung darlegt.

Denn teilweise hat die Natur einfach die Kontrolle über so manchen einst besonderen Ort übernommen, der dadurch kaum noch wiederzuerkennen ist. Bei seinen Streifzügen gibt Wolf konstruktive Hinweise für einen Blick aus luftiger Höhe auf Potsdam, erkundet eine Ruine auf dem Pannenberg, entdeckt Potsdams Geysire und wandelt durch die Stadt, am Wasser, auf Bergen, in Wäldern und Feldern. Quasi überall, wo es etwas zu entdecken gibt.

Auch bekannte Orte wie Landtagsschloss und Garnisonkirche kommen vor

Natürlich findet auch Bekanntes wie das Landtagsschloss oder die Garnisonkirche seine Erwähnung. Zu Letzterer greift Wolf den in den Lokalmedien diskutierten Wiederaufbau auf und gibt seine eigene Meinung dazu ab. Er wirft die Frage auf, weshalb man überhaupt die Garnisonkirche als neues Wahrzeichen der Stadt wiederaufbauen wolle, wenn das heutige Wahrzeichen Potsdams, das Sanssoucischloss, doch viel schöner sei. Im Buch selbst sind auch die persönlichen Tipps gelungen, die Wolf zu jedem Ort anfügt. So verweist er beispielsweise darauf, wo man lieber Gummistiefel statt Sekt- oder Weinflasche einpackt, sich in unmittelbarer Umgebung noch mehr kulturell verlieren oder es sich einfach nur gut gehen lassen kann.

Eine gelungene Möglichkeit, um Potsdam neu zu entdecken

Es gibt derzeit dermaßen viele Bücher der Marke „111 …“, dass es nicht mehr lange dauern dürfte, bis sich ein Autor an ein Buch à la „111 Bücher, die 111 Dinge oder Orte vorstellen, die man gelesen und erlebt haben muss“ veröffentlicht. Tom Wolfs Buch „111 Orte in Potsdam, die man gesehen haben muss“ sticht aus dieser Masse positiv hervor. Auf seinen Wegen und Recherchen durch Potsdam und Umgebung betrachtet er Orte und Phänomene, die einem so teilweise noch nie aufgefallen sind. Entweder, weil sie sich abseits der heute üblichen Wege befinden oder sich vor Jahrzehnten ereigneten.

Und auch, wenn sich Tom Wolf bei der Lesung eingesteht, aus Zeitgründen Potsdam Nord vernachlässigt zu haben, hat er dennoch einiges Sehenswürdiges gefunden, das man noch heute vor allem in den Frühlings- und Sommermonaten bewundern kann. Natürlich bleiben Neues Palais, Park Sanssouci oder BUGA-Park mit die ersten Assoziationen in Sachen Potsdamer Sehenswürdigkeiten. Allerdings kann ein Blick auf weniger prominente Orte wie den „Geisterbahnsteig“ oder die Laubengänge beim Schloss Lindstedt keineswegs Schaden. Schließlich kann man so den Blick auf Potsdams Schönheit und Vielfältigkeit um ein Vielfaches erweitern – und sich auf’s Neue davon faszinieren lassen.

Liken und beim Gewinnspiel teilnehmen! Unter allen, die diesen Artikel und unsere facebook-Seite bis zum 15. März mit „Gefällt mir“ markieren, verlosen wir in Zusammenarbeit mit Havelbuch am Palais drei Exemplare des Buches „111 Orte, die man in Potsdam gesehen haben muss“. Viel Glück!

Share

About Author

redaktion

(0) Readers Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.